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Abstract
Ausgangspunkt der vorliegenden Forschungsarbeit ist die Diskussion um Kompetenzorientierung im Sportunterricht (vgl. Kap. 1). Die eingangs skizzierte Problemlage um Kompetenzmodelle, Standards und Kompetenztests gestaltet sich vielschichtig und umfasst für die Disziplinder Sportpädagogik mittlerweile unterschiedliche Forschungsaufgaben. Der bildungspolitischeDruck im Fächerkanon, welcher beispielsweise durch die großen Schulleistungstudien in denKernfächern aufgebaut wird, scheint enorm zu sein und ist doch gleichzeitig Anlass zur kritischen Selbstreflexion im Fach Sport. Vor diesem Hintergrund scheint es folgerichtig zu sein,die angestoßenen Ideen zu Modellentwürfen konsequent weiterzudenken und die Frage nachdem Output von Lernprozessen nicht aus dem Blick zu verlieren (u.a. Balz, 2012; Gogoll, 2013;2014; Pfitzner, 2014).
Ein zentraler Ausgangspunkt dieser Arbeit ist somit die Zielstellung, im Sportunterricht erlernte Kompetenzen theoretisch zu fundieren, inhaltlich auszudifferenzieren und empirisch zu erfassen. Als inhaltliche Schwerpunktsetzung im Rahmen einer mehrperspektivischen Ausrichtungdes Erziehenden Sportunterrichts wurde das Themenfeld Gesundheit ausgewählt. Auf dieserBasis wurden zwei forschungsleitende Fragestellungen konkretisiert. Dabei wurde zum einengefragt, wie (1) gesundheitsbezogene Kompetenzen in Bewegung, Spiel und Sport mit Hilfe eines Kompetenzmodellstheoretisch fundiert und zum anderen (2) mit Hilfe eines Testinstrumentsempirisch erfasst werden können. Diese Fragestellungen führten gleichzeitig zur der Untergliederung der Arbeit in die zwei Hauptphasen Modellentwicklung (vgl. Kap. 5) und Testentwicklung (vgl. Kap. 6).
Um beide Fragestellungen bearbeiten zu können wurde ein theoretischer Bezugsrahmen, bestehend aus drei Zugängen, gewählt. Hierbei wurde im ersten Schritt die aktuelle sportpädagogische Kompetenzdiskussion dargestellt (vgl. Kap. 2). Schwerpunktmäßig ging es um die kritische Auseinandersetzung mit vorliegenden Kompetenzmodellen für den Sportunterricht. Diesewurden hinsichtlich ihres Bildungsauftrag (respektive Erziehender Sportunterricht) und demKompetenzverständnis der empirischen Bildungsforschung beurteilt. Als zweiter Zugangwurde die sportpädagogische Gesundheitsdiskussion gewählt (vgl. Kap. 3). Aufgabe war es,einflussreiche Leitideen und Konzepte von Gesundheitserziehung, Gesundheitsbildung und Gesundheitsförderung im Sportunterricht herauszuarbeiten. Um auch aktuelle Entwicklungen ausSicht der gesundheitswissenschaftlichen Kompetenzdiskussion aufzugreifen, wurden im drittenZugang Begrifflichkeiten und Modelle zur Gesundheitskompetenz diskutiert (vgl. Kap. 4).
Ausgehend von ausgewiesenen Kriterien wurden aus den theoretischen Zugängen drei zentraleKonzeptionen und Modelle herausgefiltert, welche als Basis für die weitere Modellentwicklunggenutzt wurden (vgl. Kap. 5.3). Aus der Vielfalt von Kompetenzmodellen für den Sportunterricht erwies sich innerhalb der sportpädagogischen Kompetenzdiskussion das Modell der sportund bewegungskulturellen Kompetenz (u.a. Gogoll, 2013; 2014) als guter Ausgangspunkt fürein eigenes Modell. Aus der sportpädagogischen Gesundheitsdiskussion wurde die Idee einergesundheitsbezogenen Handlungsfähigkeit im Sport gewählt (u.a. Brodtmann, 1998; Kurz,2004). Abschließend konnten wesentliche Kernelemente der gesundheitswissenschaftlichen Kompetenzdiskussion aufgegriffen werden, indem der integrative Modellentwurf zur allgemeinen Gesundheitskompetenz von Sørensen et al. (2012) ausgewählt wurde.
Auf Basis der drei oben genannten Zugänge konnte zunächst eine Arbeitsdefinition und weiterführend der theoretische Modellentwurf zur sportbezogenen Gesundheitskompetenz entwickelt werden (vgl. Kap. 5.4). Das Modell der sportbezogenen Gesundheitskompetenz bestehtaus drei Dimensionen Kompetenzbereiche, gesundheitsbezogene Themenfelder und Anforderungsniveaus. Auf der Prozessebene werden die Kompetenzbereiche Erkunden & Erschließen,Ordnen & Beurteilen sowie Entscheiden & Planen unterschieden. Sie stehen für Prozesse derInformationsaufnahme, -verarbeitung und -nutzung (Gogoll, 2014; Sørensen et al., 2012). DieInhaltsebene wird in vier Themenfelder unterteilt: objektivierend (z.B. körperliche Leistungsfähigkeit), subjektivierend (z.B. Wohlbefinden), integrierend (z.B. komplexe Wirkungszusammenhänge in Gesundheitsmodellen) und erweiternd (z.B. Ernährung). Die Anforderungsniveaus orientieren sich an dem Model of Hierarchical Complexity (u.a. Gogoll, 2014).





