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Abstract
Hintergrund und Ziele
In Deutschland ist bisher wenig Material zu Vorgehensweisen und Haltung/Ansichten von Ärztinnen/Ärzten im Hinblick auf die kontinuierliche Sedierung (KS) bis zum Lebensende vorhanden. Die Ziele der Studie sind in diesem Bereich unter Berücksichtigung von nationalen Besonderheiten der Versorgungsstrukturen und der Settings Allgemeine und Spezialisierte Palliativversorgung sowie deren ambulante und stationäre Bereiche einen Einblick zu erhalten, um mittelfristig nationale und internationale Leitlinien anzupassen und dadurch eine einheitlichere Praxis zu fördern.
Methoden
Die vorliegende Arbeit war eingebunden in eine internationale Kooperation. Die Erhebung und Auswertung der Studie erfolgte durch eine Arbeitsgruppe in der palliativmedizinischen Abteilung am Standort Erlangen. Als Studiendesign wurde eine Fragebogenerhebung mittels einer Online-Umfrage in Form einer Querschnittsstudie genutzt, um die Ansichten/Haltung und Vorgehensweisen der Ärztinnen/Ärzte, die alle Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin waren, erfassen zu können. Die Laufzeit der Umfrage war der Zeitraum vom 20.11.2018 bis zum 8.2.2019. Eine Erhebung von quantitativem Datenmaterial und einer qualitativen Auswertung des offenen Abschlusskommentares erfolgte simultan. In der Statistik wurden Modalwerte und Häufigkeiten erstellt. Gruppenvergleiche wurden mit Kreuztabellen sowie mit dem Chi-Quadrat-Test und dem Exakten Test nach Fisher bei einem Signifikanzniveau von 5 Prozent erstellt.
Ergebnisse und BeobachtungenBei einer Anzahl von 545 Ärztinnen/Ärzten wurden die Settings Spezialisierte Palliativversorgung (SPV) und Allgemeine Palliativversorgung (APV) sowie deren ambulante und stationäre Bereiche untersucht, die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV), die Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AAPV), die Spezialisierte Stationäre Palliativversorgung (SSPV) und die Allgemeine Stationäre Palliativversorgung (ASPV). Die Rücklaufquote betrug 15%. Es zeigten sich signifikante Unterschiede bei der Auswertung der Umfrage. Die Anwendung von KS bezog sich meist auf die Linderung schweren Leidens in den letzten Stunden oder Tagen des Lebens. In der SPV (37%) lehnten mehr Ärztinnen/Ärzte die Aussage ab als in der APV (27%), dass KS die Dauer des Sterbeprozesses verkürzt. Ärztinnen/Ärzte der SSPV (35%) gaben häufiger als in der SAPV (25%) „oft“ oder „immer“ die Absicht an, das Bewusstsein herabzusetzen. In der ASPV (78%) gaben Ärztinnen/Ärzte häufiger als in der AAPV (68%) „oft“ oder „immer“ an, mit einer niedrigen Dosis der Medikamente zu beginnen und diese schrittweise zu erhöhen, bis der gewünschte Effekt erzielt ist. Ärztinnen/Ärzte der AAPV (89%) beteiligten häufiger „oft“ oder „immer“ die Patientinnen/Patienten an der Entscheidung als in der ASPV (72%). Bei einigen Fragen bezog sich die Anwendung von KS auf die Linderung schweren Leidens bei noch mindestens einigen Wochen Lebenszeit. Es war mehr Zustimmung bei Ärztinnen/Ärzten der APV (73%) als in der SPV (61%) vorhanden, dass KS zur Linderung schweren physischen Leidens bei Patientinnen/Patienten, die erwartungsgemäß noch mindestens einige Wochen leben, eine akzeptable medizinische Praxis darstellt. Ebenfalls mehr Zustimmung war bei Ärztinnen/Ärzten der AAPV (56%) als in der SAPV (36%) sowie bei Ärztinnen/Ärzten der APV (45%) als in der SPV (38%) vorhanden, dass KS zur Linderung schweren psychischen, existentiellen Leidens bei erwartungsgemäß noch mindestens einigen Wochen Lebenszeit eine akzeptable medizinische Praxis darstellt.





