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Abstract
Hintergrund und Ziele
Im Rahmen des Qualitätsmanagements in Krankenhäusern wurde sich in den letzten Jahren unter anderem immer stärker auf eine Optimierung der stationären Schmerztherapie fokussiert. Trotz aller Maßnahmen, wie zum Beispiel der Etablierung von Akutschmerzdiensten oder der Einführung schmerztherapiebezogener Leitlinien, gibt es nachweislich stets noch große Defizite hinsichtlich einer suffizienten Schmerzbekämpfung [1– 4]. Die Tonsillektomie stellt einen sehr häufigen und, auch im Vergleich zu größeren Operationen, besonders schmerzhaften Eingriff dar [1, 5–8]. Neben den komplexen pathound neurophysiologischen Mechanismen bei Tonsillitiden spielt dabei auch das große, offene postoperative Wundbett eine ausschlaggebende Rolle [9, 10]. Zahlreiche Studien befassten sich bereits mit der Thematik des optimalen Schmerzmanagements nach Tonsillektomien. Keine dieser Studien konnte bisher einen Therapiestandard definieren [11–13]. Nach aktueller Studienlage gibt es für die Tonsillektomie bei Erwachsenen ebenso bisher keinen Vergleich zwischen der Effektivität einer postoperativen Schmerzmedikation nach festem Zeitschema und der einer bedarfsgesteuerten Schmerzmedikation.
Ein interdisziplinäres Team bestehend aus Ärzten und Pharmakologen der Hals-Nasen-Ohren Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen widmete sich dieser Problematik. Es entwickelte zur Verbesserung der stationären Schmerztherapie ein umfängliches Therapieregime für den postoperativen Einsatz. Das Konzept richtete sich nach der zu erwartenden Schmerzintensität des jeweiligen operativen Eingriffes sowie nach Patientenalter und Vorerkrankungen. Es wurden medikamentöse Stufenschemata vorgegeben, nach denen die Patienten standardisiert postoperativ im weiteren stationären Aufenthalt behandelt werden sollten. Aufgrund des viel diskutierten Nebenwirkungsprofils und der ausführlichen Aufklärungspflicht, wurde im Rahmen dieses Schmerzkonzepts der Einsatz des analgetischen Wirkstoffes Metamizol bewusst ausgeschlossen [14–17].
Die Effektivität dieses Schmerzschemas sollte anhand des Referenzeingriffes der beidseitigen Tonsillektomie bei Erwachsenen evaluiert werden. Primäres Ziel war es durch Einführung des standardisierten Therapiekonzepts die Schmerzen der Patienten am ersten postoperativen Tag signifikant zu senken. Sekundär sollten schmerzbedingte Beeinträchtigungen und Nebenwirkungen der Analgetika sowie der Wunsch nach mehr Schmerzmitteln reduziert und die Patientenzufriedenheit gesteigert werden.
Studienpopulation, Material und UntersuchungsmethodenIm Rahmen einer prospektiven Interventionsstudie wurden über den Zeitraum von August 2018 bis Mai 2020 an der Hals-Nasen-Ohren Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen 80 volljährige Patienten untersucht. Während ihres stationären Aufenthalts erhielten alle Studienteilnehmer eine operative bilaterale Entfernung der Gaumenmandeln aufgrund einer chronischen Tonsillitis. Im Anschluss wurden die Teilnehmer am ersten Tag postoperativ jeweils über einen validierten und standardisierten Fragebogen bezüglich ihrer Schmerzen und Einschränkungen seit der Operation befragt.
Zunächst wurde der Status quo der durchschnittlichen Schmerzlevel nach Tonsillektomien innerhalb der Klinik ermittelt. Hierzu wurden die Angaben einer ersten Gruppe (Kontrollgruppe) bestehend aus 40 Patienten erfasst, deren Medikation individuell durch den jeweilig behandelnden Stationsarzt angeordnet worden war. Dem gegenüber gestellt wurden die Angaben einer konsekutiv folgenden zweiten Patientengruppe von 40 Personen (Interventionsgruppe). Diese erhielt eine analgetische Therapie analog dem neu entwickelten Schema für Eingriffe mit hohen zu erwartenden Schmerzen.
Die Basistherapie des untersuchten Schmerzschemas für Operationen mit hohen zu erwartenden Schmerzen bestand aus einer Kombinationstherapie von Ibuprofen und Paracetamol [18]. Als Bedarfsmedikation wurde das schwache Opioid Tramadol eingesetzt. Sofern die analgetische Wirkung nicht ausreichte, wurde auf höhere Stufen des Schmerzschemas eskaliert.
Für die Datenerhebung der Untersuchung wurde sich dem QUIPS-Projekt des Universitätsklinikums Jena angeschlossen.





