Hintergrund und Ziele:Einen großen Teil der heutigen Erkenntnisse und Theorien verdankt die moderne Sicherheitsforschung der Aufarbeitung von sozio-technologischen Katastrophen der Vergangenheit. Hauptsächlich wurden zur Verbesserung der Sicherheit Ereignisse aus den Bereichen der Chemie, Kernenergie, Schifffahrt und Luftfahrt aufgegriffen.
Im Gegensatz dazu wurden die Bemühungen um die Patientensicherheit weniger durch ein einzelnes tragisches Patientenschicksal geprägt, sondern vielmehr durch eine Veröffentlichung des Institute of Medicine, welche 1999 erschien: To Err is Human – Building a Safer Health System. Dieser Bericht trieb die Diskussion und Forschung auf dem Gebiet der Patientensicherheit enorm voran und beleuchtete Probleme, welchen bis dahin wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Die Vorschläge zur Vermeidung von Patientenschädigung und medizinischen Fehlern im Gesundheitswesen lösten ein großes akademisches Interesse am Thema der Patientensicherheit aus. Der IOM-Report „To Err is Human“ kann daher als entscheidender Meilenstein für die heutige medizinische Sicherheitsforschung angesehen werden.
Methoden: Zwanzig Jahre später scheint ein guter Zeitpunkt zu sein, die akademische Auswirkung dieses bahnbrechenden Werks zu analysieren sowie zu untersuchen, in wieweit die in „To Err is Human“ aufgezeigten Ideen sich verbreiten konnten beziehungsweise welchen Veränderungen diese im Laufe der Zeit unterlagen.
Um dieses Ziel zu erreichen wurde eine bibliometrische Analyse aller Publikationen durchgeführt, welche im Zeitraum von 2000 bis 2019 erschienen sind und welche den IOM-Report „To Err is Human“ in ihrem Literaturverzeichnis referenzieren. Es wurden 20.494 Dokumente aus der Datenbank Scopus identifiziert. Für die Analyse wurden diese Dokumente in drei Datensätze unterteilt: ein erster Datensatz, bestehend aus Dokumenten mit medizinischen Inhalten, ein zweiter Datensatz, bestehend aus Dokumenten mit nicht-medizinischen Inhalten und ein dritter Datensatz, bestehend aus Dokumenten mit anästhesiologischen Inhalten. Dieser dritte Datensatz wurde aus dem ersten Datensatz (medizinische Inhalte) extrahiert.
Ergebnisse: In allen drei Datensätzen wurde der Großteil der Forschung zu Patientensicherheit in Nordamerika durchgeführt, mit sehr wenigen internationalen Kollaborationspartnern. Über die Jahre ging die thematische Entwicklung, ausgehend vom initialen Fokus des IOM-Report, fachbereichsabhängig in viele verschiedene Richtungen. Die Forschungen zu Fehlerberichterstattungs- und Meldesystemen (CIRS) sowie zu systemischen Ansätzen der Fehlerentstehung waren in den zu analysierenden Datensätzen in geringem Ausmaß vertreten, obwohl diese Aspekte zentrale Vorschläge von „To Err is Human“ darstellten. Aus der Perspektive der Sicherheitsforschung waren es vor allem die theoretischen Konzepte von James Reason welche in der Medizin zum Verständnis der Entstehung von Zwischenfällen, und zur Generierung von Lösungsansätzen herangezogen wurden.
Schlussfolgerung:Insbesondere der anästhesiologische Fachbereich nahm Vorreiterrolle im Bereich der Patientensicherheit ein: Fehlermeldesysteme, interdisziplinäre Kommunikation, medizinische Ausbildung des Personals und Simulatortraining hatten hier bereits sehr früh einen hohen Stellenwert.
Title
20 Jahre Nach "To Err is Human-Building a Safer Health System" – Eine Bibliometrische Analyse der Akademischen Rezeption des IOM-Reports
ProQuest Dissertations & Theses
Source type
Dissertation or Thesis
Language of publication
German
ProQuest document ID
3073251531
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