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Abstract
Hintergrund und Ziele Seit 1938 Philipp Wiles die erste klinisch relevante Implantation einer Hüfttotalendoprothese (HTEP) gelang, nimmt die Anzahl der jährlich durchgeführten Primärimplantationen stetig zu. Analog dazu werden auch Revisionseingriffe – aktuell mit einem Anteil von 8 % der Hüft-TEP-Eingriffe – häufiger durchgeführt (Bobzin 2021, Wiles 1958). Aufgrund des mittlerweile exzellenten klinischen Outcomes werden HTEPs mittlerweile zunehmend auch schon bei jüngeren Patienten implantiert. Deshalb rückt die Hüft-Revisionsendoprothetik bzw. die Vermeidung von Problemen und Risiken, welche zu Revisionseingriffen führen könnten, immer mehr in den Mittelpunkt des klinischen Interesses.
Methoden (Patienten, Material und Untersuchungsmethoden) Durchgeführt wurde eine retrospektive Studie aller Hüft-TEP-Revisionsoperationen, die vom 31.08.2011 bis 07.02.2018 in der Orthopädischen Universitätsklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am Malteser Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen durchgeführt wurden. Insgesamt wurden die Hüft-TEP-Revisionsoperationen von 134 Patienten untersucht und neben der Primärimplantation die ersten beiden Revisionseingriffe genauer betrachtet und im Rahmen der deskriptiven Statistik mit Statistical Package for the Social Sciences (SPSS) ausgewertet.
Ergebnisse und Beobachtungen Einzelne Risikofaktoren bzw. protektive Faktoren zur Vermeidung von Revisionsoperationen konnten ermittelt werden. Hierbei ergab sich ein erhöhtes Risiko für aseptische Lockerungen bei Verwendung von Polyethylen (PE) in der Gleitpaarung. Infektionen traten seltener bei Verwendung der Keramik-Keramik-Gleitpaarung auf. Ein größerer Kopfdurchmesser und jüngeres Patientenalter scheint das Luxationsrisiko, wie auch schon in der Literatur beschrieben (Herman et al. 2019, Wetters et al. 2013), zu verringern. Und, während höheres Alter und das weibliche Geschlecht das Risiko für periprothetische Frakturen erhöhen, treten bei jungen Männern häufiger Materialbrüche des einliegenden Implantates auf.
(Praktische) Schlussfolgerungen Im eigenen Patientengut konnten Tendenzen und in der Literatur signifikante Ergebnisse für einzelne Risikofaktoren, für das Auftreten von revisionsbedürftigen HTEPs, isoliert werden. Generell zeigte sich allerdings, dass allen Indikationen für eine Revision ein multifaktorielles Geschehen zugrunde liegt. Keine Gleitpaarung, kein Prothesendesign und keine Operationstechnik können generell empfohlen werden. Hingegen unterliegt die Therapieplanung einer individuellen Entscheidungsfindung bei der das Alter, die Aktivität und Mobilität des Patienten, die Indikation, Knochenstruktur, Vorerkrankungen, Voroperationen sowie die Erfahrung und Erfahrungswerte des Operateurs mit einfließen. In den kommenden Jahren werden frühere Operationen, höhere Lebenserwartung und BMI sowie eine größere Aktivität der Patienten und damit einhergehend ein insgesamt höherer Anspruch der Patienten, die Operationstechnik und das Prothesendesign der HTEP vor weitere Herausforderungen stellen, wobei hier zweifellos Kompromisse in Abhängigkeit von der individuell vorliegenden Pathologie sowohl vom Patienten als auch vom Operateur akzeptiert werden müssen.





