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Abstract
Zielsetzung:Polykristallines Zirkonoxid (3Y-TZP) eignet sich aufgrund seiner hohen Biegefestigkeit sehr gut als Gerüstmaterial für Vollkeramik-Kronen und -Brücken. Dieser opake Gerüstwerkstoff genügt jedoch oftmals nicht den ästhetischen Anforderungen der Zahnmedizin, weshalb dieser mit transluzenteren Keramiken verblendet wird. Die Verblendung von Zirkonoxid wird klassischerweise mit abgestimmten Verblendkeramiken in verschiedenen Schichten aufgebrannt. Dieser Prozess ist aufgrund seiner Komplexität fehleranfällig und schwierig automatisierbar. Auf der Suche nach wirtschaftlichen Alternativen entstand die Rapid-Layer-Technologie (RLT), bei der eine monolithische Verblendstruktur adhäsiv mit einem Zirkonoxid-Gerüstmaterial verbunden wird.
Um dieses neuartige Herstellungsverfahren wissenschaftlich einordnen zu können, war das Ziel dieser Studie, die Lebensdauer von klassisch hergestellten Zahnkronen (Schlickertechnik) mit den Kronen der Rapid-Layer-Technologie (RLT) in einer experimentellen Kausimulation zu testen und vergleichend zu bewerten.
Material und Methode:Die vier Testgruppen bestanden aus jeweils 16 Prüfkörpern. Alle Kronen hatten Zirkonoxid-Gerüste, welche aus Weißling-Ronden im CAD/CAM-Verfahren hergestellt und anschließend gemäß den Herstellerangaben (T = 1530°C, t = 2 h) zu einem 0,7 mm starkem Grundgerüst gesintert wurden. Beim RLT-Verfahren wurden die Verblendstrukturen ebenfalls mittels CAD/CAM-Prozessschritten in der ersten Gruppe aus Feldspat-Rohlingen (VMII, n = 16) und in der zweiten Testgruppe aus Blöcken einer Hybridkeramik (ENA, n = 16) geschliffen. Nachdem die Oberfläche der geschliffenen Verblendschalen unter Wasserkühlung mit Diamantpolierern poliert worden war, wurde das innere Lumen mit 5%igem Keramik-Ätzgel für 60 Sekunden geätzt und danach mit Wasser und Luft gesäubert. Nach dem Silanisieren der Verblendseite und dem Sandstrahlen der Gerüstseite wurden beide Teile mit einem selbstadhäsiv-dualhärtendem Befestigungs-Komposit verklebt und mit einer Polymerisationslampe für 60 Sekunden lichtgehärtet. Die Zirkonoxid-Gerüste der anderen beiden Testgruppen wurden von einem Zahntechniker mit einer Feinstruktur-Feldspat-Keramik (VM9®, Vita Zahnfabrik) nach Herstellerangaben in Hand geschichtet. Nach dem Glanzbrand wurden die Kronen unterschiedlich schnell abgekühlt, so dass die Gruppe „FC“ (fast cooling) mit einer hohen Abkühlgeschwindigkeit von 45 °C/s und die Gruppe „SC“ (slow cooling) mit einer niedrigen Abkühlgeschwindigkeit von 0,5 °C/s resultierte.
Künstliche Zahnstümpfe wurden aus Dentalkomposit hergestellt und für 14 Tage in destilliertem Wasser gelagert. Die Kronen aller Gruppen wurden auf diese Stümpfe mit einem selbstadhäsiv-dualhärtendem Befestigungskomposit befestigt und für weitere 7 Tage in destilliertem Wasser gelagert. Die Kronen wurden im Kausimulator mit einer Frequenz von 1.5 Hz und einer Prüflast von 200 N in 38°C destilliertem Wasser zyklisch belastet. Als Antagonist diente jeweils eine neue Steatit-Kugel mit einem Durchmesser von 6,25 mm. Alle Kronen wurden bis zum Versagen in Form von Abplatzungen (Chippings) der Keramik oder Erreichen der Verschleißgrenze getestet. Die Merkmale der Oberflächendefekte wurden mit einem Rasterelektronenmikroskop analysiert und die Lebensdauer der Kronen in einer Kaplan-Meier-Betrachtung statistisch ausgewertet.
Ergebnisse: In den beiden VM9-Gruppen traten an allen Kronen großflächige Abplatzungen auf: In der Gruppe „FC“ der schnell abgekühlten Kronen traten diese Chippings bereits zwischen 2,63 x 103 und 3,07 x 105 Zyklen auf, wohingegen die Kronen der Gruppe „SC“ zwischen 3,42 x 104 und 2,15 x 106 Zyklen überstanden. Bei den RLT-Gruppen traten in beiden Versuchsgruppen keine vergleichbaren Abplatzungen auf, jedoch musste die Kausimulation nach 2,5 x 106 Zyklen (ENA) bzw. 3,5 x 106Zyklen (VMII) aufgrund großflächiger Verschleißerscheinungen der Verblendstrukturen beendet werden.





