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Abstract
Hintergrund und Ziele Gangstörungen kommen bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) häufig vor. Diese tragen häufig zu Behinderungen bei, können aber in den frühen Stadien der Erkrankung nur schwer entdeckt werden.
Wir untersuchten, ob sensorbasierte Ganganalysen bei MS-Patienten Gangstörungen aufzeichnen können.
MethodenEin am Fuß getragenes sensorbasiertes Messsystem zur Ganganalyse wurde bei 102 MSPatienten und 22 gesunden Kontrollpersonen eingesetzt. Die Testpersonen absolvierten den 25 Foot Walking Test (25FWT) zweimal in selbstgewählter (25FWT_langsam) und zweimal in maximaler Gehgeschwindigkeit (25FWT_schnell). Der Timed „Up And Go“ (TUG) wurde als funktioneller Test genutzt, der „Multiple Sclerosis Walking Scale“ Fragebogen (MSWS-12) als subjektive Messung der Patientenmobilität. Die Patienten wurden in Subgruppen nach „Expanded Disability Status Scale“ (EDSS) und funktionellen Systemen (FS; Kleinhirn und Pyramidenbahn) eingeteilt.
Ergebnisse und BeobachtungenDie Datensätze zwischen zwei aufeinanderfolgenden Messungen (Test-Retest-Reliabilität) korrelierten bei allen analysierten Gangparametern (z.B. 25FWT_schnell: Schrittlänge r = 0.955, Ganggeschwindigkeit r = 0.969) Der Vergleich zwischen Kontrollgruppe und MS-Patienten mit geringerer (EDSS ≤ 3.5) bzw. höherer (EDSS 4.0 - 7.0) Krankheitslast zeigte signifikante Unterschiede bei mittlerer Schrittlänge, Ganggeschwindigkeit, Fußabhubwinkel, Standzeit und Schwungzeit (z.B. Schrittlänge zwischen EDSS-Subgruppen im 25FWT_schnell: p ≤ 0.001 und 25FWT_langsam p = 0.003). Die Unterschiede zwischen den EDSS-Subgruppen waren bei maximaler Gehgeschwindigkeit mehr betont als in selbstgewähltem Tempo (z.B. Schrittlänge 25FWT_schnell: 33.6 cm und 25FWT_langsam 16.3 cm). Die Schrittlänge (25FWT_schnell) korrelierte mit EDSS (r = -0.583), MSWS-12 (r = -0.668) und TUG (r = -0.773). Wir beobachteten signifikante Unterschiede zwischen Kontrollgruppe und MS-Patienten mit (FS 0 - 1) und ohne (FS ≥ 2) pyramidaler oder zerebellärer Behinderung (z.B. Ganggeschwindigkeit der FS-Subgruppen p ≤ 0.001).
SchlussfolgerungenSensorbasierte Ganganalysen unterstützen die klinische Diagnostik von Gangstörungen objektiv auch bei MS-Patienten in niedrigen Krankheitsstadien, besonders bei schneller Gehgeschwindigkeit. Schrittlänge und Ganggeschwindigkeit wurden als die am klinisch relevantesten Parameter identifiziert.
Deshalb kann das Messsystem zukünftig für die Diagnostik bei MS-Patienten mit Gangstörungen eingesetzt werden, z.B. für eine objektive Einschätzung der Krankheitsschwere. Das Potential im häuslichen Monitoring muss in weiteren Studien evaluiert werden.





