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Abstract
Der medizinische Fortschritt ermöglicht den Menschen ein längeres Leben. Das statistische Bundesamt geht davon aus, dass bis zum Jahr 2050 der Anteil der über 67-Jährigen auf circa 28 Prozent deutlich ansteigen wird . In dieser alternden Gesellschaft werden auch mehr Menschen mit chronischen Wunden leben und einer Behandlung bedürfen. Im modernen Wundmanagement können viele Tätigkeiten ärztlich durchgeführt, können aber alternativ delegiert und überwacht werden. Im Curriculum des Medizinstudiums sind zwar Themen wie Ursachen und Behandlungsstrategien chronischer Wunden aufgegriffen, die praktische Umsetzung und Detailwissen werden aber meist nicht intensiv vermittelt. Ärzte in der primären Patientenversorgung sollten in der Lage sein, Ursachen chronischer Wunden zu erkennen, sie diagnostisch abzuklären, Basistherapien anzuwenden und komplexe Fälle in die entsprechenden Zentren zu überweisen. Deshalb wurde in einer an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführten Bedarfsanalyse ermittelt, welchen Wissensstand und Bedarf Studierende im fortgeschrittenen Status des HumanmedizinStudiums zum Thema chronische Wunde und modernes Wundmanagement haben. Für diese Bedarfsanalyse wurden im Zeitraum 2016-2017 insgesamt 190 Studierende im 8-12. Semester (60,85% weiblich, medianes Alter 24 Jahre) mit Hilfe eines Fragebogens zu ihren Vorkenntnissen und ihrem Interesse an modernem Wundmanagement (Bewertung von 21 Statements mittels einer Likertskala 0-3) befragt. Zudem wurde erfasst, ob die Implementierung von Lehrinhalten zum Wundmanagement innerhalb der dermatologischen Lehre für wichtig erachtet wird. Weitere Lehrinhalte wurden insbesondere zu den Themen Behandlungsoptionen (86,32%), Wundauflagen (79,47 %) und Wundreinigung (75,79%) in Form praktischer Übungen (93,68%) oder Patientenvorstellungen (52,11 %) in höheren Kliniksemestern gewünscht. Zusammenfassend ergab diese Evaluation, dass seitens der Studierenden ein Bedarf an intensiverer Vermittlung praktischer Inhalte besteht. Besonders gewünscht wurde ein Kurs mit praktischen und theoretischen Übungen. Ein solcher Kurs bietet viel besser als eine Vorlesung die Möglichkeit, das praktische Vorgehen von TeilnehmerInnen zu beeinflussen. Im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie rücken zudem online zugängliche Lehrinhalte in den Fokus. So haben fallbasierte und videogestützte online-Kurse einen hohen Stellenwert bekommen.
Anders als im ärztlichen Bereich besteht für examinierte Pflegekräfte ein etabliertes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten zum Wundexperten. Dennoch sollte auch hier bereits in der Ausbildung Wundmanagement stärker in den Fokus gerückt werden. Bereits in der Ausbildung kann geübt werden, Pflegepläne zu erstellen und praktische Wundversorgung umzusetzen [10]. Die vorgelegte Arbeit evaluiert die Durchführbarkeit und Eingliederung eines neuen interprofessionellen Lernangebotes für Studierende und Auszubildende in das Curriculum der jeweiligen Ausbildungswege und ob ein derartiges Konzept die Fähigkeiten und Kenntnisse zu chronischen Wunden und modernem Wundmanagement verbessert.





