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Abstract
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Einfl uss der Sukzession auf die Biodiversität der Sand boden-Vegetation“ wurde die aktuelle Vegetation des Nürnberger Reichswaldes hin sichtlich Vielfalt, räumlicherVerteilung, Zukunftsperspektiven und Schutzwürdigkeit analysiert.
Der Nürnberger Reichswald ist das fünftgrößte zusammenhängende Waldgebiet Bayerns au ßerhalb derAlpen und liegt vollständig im Naturraum „Mittelfränkisches Becken“. Er setzt sich aus dem SebalderReichswald (11.200 ha) im Norden sowie dem Lorenzer Reichswald (14.700 ha) und dem SüdlichenReichswald (10.600 ha) zusammen.
Im ersten Teil der Arbeit werden abiotische Umweltfaktoren und historische wie gegenwär tige Nutzungsformen untersucht, die aktuelle Vegetationsstrukturen beeinflussen.
Das subkontinental geprägte Klima (ΔT im Jahreslauf: 19,1 K) zeichnet sich durch geringe Niederschlagsmengen zwischen 650 mm/a im Westen und 750 mm/a im Osten aus, die in Trockenjahren auf 450 mm/asinken. Dies stellt für Laubbäume in Kombination mit dem san digen geologischen Untergrund aus quartären Lockersanden und dem Burgsandstein des Keu pers eine Herausforderung dar. Im Osten des Gebietsnimmt der Anteil von Feuerletten zu und die Schichtenfolge reicht bis zum untersten Lias (Jura).
Zur Beurteilung des Wasserangebots für Pfl anzen im Reichswald wurde aus den botanischen Erhebungeneine Standortskarte abgeleitet: Demnach gelten 38% der Standorte als (sehr) trocken und weitere 35%als (mäßig) frisch. 12% der Standorte sind feucht oder nass. Podso lierte sandige Braunerden, gefolgt vonwechselfeuchten Braunerden und Übergängen zu tonigen Pelosol-Böden, bilden die häufi gsten Bodentypen. Die seit dem frühen Mittelalter intensive Nutzung des Waldes wird als weiterer Faktor herausgearbeitet, der zum kiefern reichen heu tigen Waldbild führt. Neben der Holzentnahme sorgten Waldweide,hoher Wild bestand und Streunutzung für eine Devastierung der Stand orte. Erst das Reichswaldprogramm(1986 – 2003) und die Förderung der Naturverjüngung legten die Grundlage für neuen Laub wald auf20% der Reichswald-Fläche.
Die Auswertung historischer Karten zeigt auf, dass diese Waldfl äche seit 1830 schrumpfte. Es wird belegt, dass dieser Flächenverlust erst mit der Bannwaldausweisung 1979 gestoppt wer den konnte.
Zur Analyse der Vegetationsstrukturen wurden 576 pfl anzensoziologische Aufnahmen in prä ferenziellerAuswahl erhoben und die Hauptbaumbestände mit Zeigerpfl anzen des Unter wuchses fl ächendeckendermittelt sowie spezielle fl oristische Begänge durchgeführt.
Zur chorologischen Einordnung des Ge biets wurden die fl oristischen Daten der Kartierung herangezogen. Eurasiatische Arten mit subkontinentaler und subatlan tischer Tendenz domi nieren das Florenbild.Sie ergeben zusammen 75% der Arten. Sonderstandorte wie Moore, Kältetälchen oder südexpo nierteHänge oder Flächen mit karbonathal tigem Untergrund tragen mit mehr als 11% zur Phytodiversität desGebiets bei, nehmen aber nur 2% der UG-Fläche ein. Die Verbreitung ausge wählter submediterraner,nordisch-arktischer und praealpiner Arten wird in Punktkarten wiedergegeben.
Aus der numerisch-statistischen Auswertung der pfl anzensoziologischen Aufnahmen ging eine Vegetationsstruktur mit 13 Assoziationen (einschließlich 39 Subassoziationen, Varian ten, Ausbildungen undFazies) und 18 ranglosen Gesellschaften hervor, die zu 40 Kartierein heiten der Klassen Vaccinio-Piceetea, Querco-Fagetea und Alnetea glutinosae zusammenge fasst wurden. Dabei werden die Waldbeständeweitestgehend dem natürlichen System der Waldgesell schaften zugeordnet, obwohl sie forstlich geprägtsind. Die Gesellschaften werden fl oristisch und ökologisch beschrieben, ihre Stellung im pfl anzensoziologischen System und Probleme bei der Erfassung werden diskutiert.
51% der Wälder des Gebiets werden vom großfl ächig vorkommenden Leucobryo-Pinetum und den entsprechenden Untergliederungen gebildet. Somit prägt der trockene oder wechsel feuchte Kiefernwald das Erscheinungsbild des Reichswalds.





