Content area
Abstract
Hintergrund und Ziele
Das Fachgebiet der Konsiliarpsychiatrie und die Bedeutung der Integration von psychiatrischen Versorgungsmöglichkeiten in somatische Fachabteilungen gewinnt in Zukunft an Wichtigkeit. Am Universitätsklinikum Erlangen wurde in den letzten Jahren eine starke Zunahme der konsiliarischen Aktivität beobachtet. Da bisher aber noch keine systematische Untersuchung diesbezüglich erfolgte, war Intention dieser Arbeit, diese Tätigkeit zu analysieren, das konsiliarisch gesehene Patientenkollektiv zu charakterisieren und Besonderheiten im Hinblick auf mögliche Optimierungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Untersucht wurde das psychiatrische Konsilaufkommen eines Jahres hinsichtlich folgender Hauptgesichtspunkte: Bedarf der einzelnen somatischen Teilkliniken, Anforderungsgründe sowie psychiatrische und somatische Diagnosen der Patienten.
Methoden
Es wurden die Durchschläge aller Konsilscheine (n=637) des Jahres 2008, die zentral im Sekretariat der psychiatrischen Ambulanz archiviert waren, herangezogen und retrospektiv ausgewertet. Entsprechend der Fragestellungen wurden überwiegend Methoden der darstellenden Statistik gewählt.
Ergebnisse und Beobachtungen
Das Durchschnittsalter der dem Konsildienst vorgestellten Patienten betrug 53 Jahre. Die größte Gruppe der Studienpatienten war zwischen 40 und 45 Jahre alt. Das Verhältnis von Männern und Frauen war wider Erwarten weitgehend ausgeglichen. Die Prävalenzzahl psychiatrischer Konsile betrug für das gesamte Universitätsklinikum 0,9%. Damit wurde weniger als jeder hundertste Patient des Klinikums konsiliarpsychiatrisch mitbetreut, dies war - verglichen mit der Literatur - gering. Der Konsildienst der Psychiatrischen Klinik wurde hauptsächlich von der Neurologie (35,7%) und der Inneren Medizin (32,8%) in Anspruch genommen, während die Chirurgie und die Frauenklinik eine auffällig geringe relative Inanspruchnahme von 0,5% aufwiesen. Die drei häufigsten psychiatrischen Diagnosen waren entsprechend der Literatur die Neurotischen, Anpassungs- und Somatoformen Störungen (27,8%), die Hirnorganischen Störungen (17,5%) und die Affektiven Störungen (16,2%). Die im Konsildienst betreuten Patienten befanden sich am häufigsten wegen Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie der Epilepsie in stationärer Behandlung. Mit der Literatur übereinstimmend waren in dieser Studie die am weitaus häufigsten Gründe für die Anforderung eines psychiatrischen Konsils akute psychiatrische Symptome (43%), körperliche Symptome die organisch nicht zu erklären waren (15,3%), sowie der Verdacht auf eine akute Suizidalität (14,2%). Die häufigsten konsiliarischen Empfehlungen waren die Behandlung mit einem Psychopharmakon (37,5%) und die Aufnahme auf eine psychiatrische Station (11%). Auffällig war in dieser Studie, dass 132 von 607 Patienten - dies entspricht etwa jedem fünften Patienten - keine psychiatrische Diagnose erhalten hatten. Dies war weitaus häufiger, verglichen mit den in der Literatur angegebenen Zahlen.
Praktische Schlussfolgerungen
Es kann demnach gefolgert werden, dass dem psychiatrischen Konsildienst vermehrt Patienten zugewiesen werden, welche die Kriterien für eine psychische Störung nicht erfüllen, das heißt in der Regel nur leichte psychische Beeinträchtigungen aufweisen. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass bei einem großen Teil der Konsile hauptsächlich Fragen der Krankheitsbewältigung sowie das Bedürfnis nach einem entlastenden Gespräch im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang halten wir die stärkere Miteinbeziehung von nicht-ärztlichen Berufsgruppen wie der klinischen Psychologie in die Betreuung von somatisch Kranken mit psychischer Komorbidität für gerechtfertigt.





