Content area
Abstract
DAS Thema dieser Arbeit sind Neutronensterne in Binärsystemen, sogenannte Röntgendoppelsterne. Neutronensterne sind die Überreste massiver Sterne und besitzen eine extreme Dichte und extreme Magnetfelder. Sie haben typischerweiseMassen von etwa 1.4 Sonnenmassen und dabei einen Radius von nur etwa 10 km, währendihre Magnetfelder eine Stärke im Bereich von 1012 G und mehr erreichen können. Ineinem Röntgendoppelstern umkreisen sich ein Neutronenstern und ein optischer Begleiter, ein Stern, welcher seine Energie durch nukleare Fusion erzeugt. Durch seine immenseGravitationskraft akkretiert der Neutronenstern Materie von diesem Begleiter. Die potentielle Energie der akkretierten Materie wird in Strahlung, hauptsächlich im Bereich derRöntgenstrahlung, umgewandelt. Die hohe Röntgenleuchtkraft ist auch der Grund fürden Namen Röntgendoppelstern. Die Röntgenstrahlung wechselwirkt mit dem umgebenden Medium, welches größtenteils aus dem Wind des Begleiters stammt. In diesem Medium werden die Röntgenstrahlen absorbiert und erzeugen Fluoreszenzlinien. Daher kannman mit ihrer Hilfe sowohl Informationen über den Neutronenstern als auch über dasabsorbierende Medium erhalten
.In dieser Arbeit werden Röntgendaten von den satellitengestützten Observatorien XMMNewton, Suzaku, INTEGRAL, RXTE und Swift benutzt, um drei Röntgendoppelsternezu untersuchen: 3A 1954+319, 4U 1909+07 und GX 301−2. Durch die Messung derzeitlichen Veränderung und der Energieverteilung ihrer Strahlung können Erkenntnisseüber die physikalischen Zustände nahe am Neutronenstern gewonnen werden. Dort sindGravitationskräfte und elektromagnetische Kräfte am Werk, deren Stärke um viele Grössenordnungen über die hinausgeht, die in Laboren erzeugbar ist. Untersuchungen vonNeutronensternen erlauben es daher, physikalische Theorien unter extremen Bedingungen zu testen.
Die Analyse von regelmäßigen Beobachtungen von 3A 1954+319 zwischen 2006 und2010 ergibt, dass die Periode des Neutronensterns, sichtbar als regelmäßiger Puls in derRöntgenlichtkurve, sich in Zeiten geringen Flusses kontinuierlich vergrößert. Dagegenverringerte sie sich sehr schnell während eines Ausbruchs im November 2008. DieseVeränderungen der Periode an sich sowie ihre Stärke können durch einen besonderenAkkretionsprozess, der quasi-sphärischen Akkretion, erklärt werden. Das Breitbandspektrum von 3A 1954+319 kann sehr gut mit einem Comptonisierungs-Modell beschriebenwerden, welches auch die Spektren vieler anderer Neutronensterne in Röntgendoppelsternen beschreibt
Die Pulsperiodenentwicklung von 4U 1909+07 verläuft anders als die von 3A 1954+319.Statt eines kontinuierlichen, flussabhängigen Verlaufs verändert sich die Periode von4U 1909+07 zufällig und folgt einem “Random Walk”, wie man in regelmäßigen Beobachtungen zwischen 2003 und 2011 sieht. Dieses Verhalten weist klar auf eine direkte Akkretion des Sternwindes des Begleiters hin. Das Spektrum von 4U 1909+07 kann ebenfallsmit bekannten phänomenologischen Röntgenpulsarmodellen beschrieben werden. Durchpulsphasenaufgelöste Spektroskopie kann eine starke Veränderung der spektralen Parameter, besonders in der Schwarzkörperkomponente, sichtbar gemacht werden. Diese Verän derungen können durch Geometrien der Akkretionssäule erklärt werden, bei denen ihrheißer Boden nur zu bestimmten Phasen sichtbar ist.
Zur Untersuchung von GX 301−2 werden sehr hochaufgelöste Daten von Beobachtungenaus den Jahren 2008 und 2009 verwendet. In diesen Daten wurden starke Fluoreszenzlinien von Eisen und Nickel gefunden, so wie zum ersten Mal in Röntgendoppelsternenauch eine Fluoreszenzlinie von Chrom. Der Fluss und die Spektren von GX 301−2 sindhochvariabel. Durch Spektroskopie von einzelnen Pulsen wurden starke Änderungen derAbsorptionssäule sowie des Flusses der Fluoreszenzlinien auf Zeitskalen von wenigen100 Sekunden gefunden. Die Lichtkurve weist einen Zeitraum mit stark verringertemFluss auf, in der keinerlei Pulsationen zu sehen sind. Dieser Abfall ist vermutlich daraufzurückzuführen, dass der Neutronenstern eine sehr dünne Stelle im Wind passierte unddass dabei die Akkretion zusammenbrach.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass obwohl alle drei untersuchten Systeme windakkretierende Neutronensterne sind, sie doch alle ihre Besonderheiten haben. Ein Vergleich der Systeme zeigt das breite Spektrum an Helligkeiten und Verhalten auf, welchestark durch den optischen Begleiter und die orbitalen Parameter beeinflusst werden.





