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Abstract
Je länger ich mich im Rahmen meiner Forschungstätigkeit mit meinem Thema befasste, desto deutlicher wurde mir bewusst, dass es nichts Absurderes geben könne, als über eine ‚Frauenbewegung„ zu schreiben. Auf den ersten Blick scheint es keine ungewöhnliche Materie zu sein – selbst an einer Fakultät mit ausschließlich männlichen Professoren.1 Frauenrechte sind in aller Munde und die eine oder andere Alibifrau erfreut sich bereits ihrer ungewöhnlich hohen Position. Wenn eine Studie zur Frauenbewegung nicht ungewöhnlich wäre, müsste eine Dissertation über die irische Männerbewegung auch ganz normal sein. Nur – ‚Männerbewegung„, was könnte das denn sein? Gibt es überhaupt eine Männerbewegung? Und wenn ja – geht es da um Männergruppen und schwule Parties? Sind diese, doch eher bizarr wirkenden, Erscheinungsformen repräsentativ? Wäre es ein relevantes, Aufschluss gebendes Thema, das sich mit einer sinnvoll ausgewählten, homogenen oder sonst irgendwie zusammengehörigen sozialen Gruppe befasst? Gibt es ‚die Männer„, um die es darin gehen sollte? Gibt es ‚die Frauen„? In Deutschland gibt es das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in Irland ein Joint Committee on Justice, Equality, Defence and Women's Rights. Es muss ‚die Frauen„ also geben. Ein Ministerium für Männerangelegenheiten gibt es nicht. Halt, sind bei den Familien nicht auch Männer dabei, bei den Senioren, den Jugendlichen? Warum werden sie dann nicht genannt, die Frauen aber schon? Sind die in diesen Gruppen vertretenen Männer die Akteure einer möglichen Männerbewegung? Oder sind die übrigen Männer, die weder Familienvater, noch alt oder sehr jung sind, die Kandidaten für eine Männerbewegung? Für wen sind dann die restlichen Ministerien? Bevor Sie – zu Recht? – verärgert antworten, sie seien für alle Menschen, bitte ich Sie, noch einen Schritt mitzugehen. Ist die Existenz eines solchen Ministeriums ‚für Frauen, Senioren und sonstige Behinderte„, wie man es überspitzt auch nennen könnte, nicht ein Indiz dafür, dass es sich bei den Frauen um eine sozial schwache und somit schützenswerte Gruppe oder gar um eine Randgruppe handelt, eine benachteiligte Minderheit, einen behinderten oder gehinderten Teil der Gesellschaft? Ist dies möglich, wenn doch sowohl in Irland als auch in Deutschland die Frauen in der Bevölkerung zahlenmäßig überwiegen?2 Ist es an sich erhellend, über ‚die Frauen„ als Gruppe zu sprechen? Die Antwort ist ‚Ja und Nein„. Frauen sind keine gesellschaftliche Gruppe, weder als zwangsläufige noch als gewählte Zuordnung. Frau oder Mann zu sein bedeutet nichts weiter als einem von zwei Geschlechtern anzugehören. Es sagt nichts über gesellschaftliche Stellung, Denkart oder politische Zugehörigkeit aus. Frauen wie Männer werden jedoch aufgrund ihres Geschlechts verschieden behandelt, sei es beim Zugang zu bestimmten Ämtern, beim gesellschaftlichen Umgang oder auch vor dem Gesetz. Das biologische Geschlecht ist eines der entscheidenden Strukturprinzipien unserer Gesellschaft, ungeachtet dessen, ob es ein sinnvolles ist. Die Existenz eines Frauenministeriums belegt dies. Frauenangelegenheiten sind besondere Angelegenheiten, offensichtlich getrennt von den Zuständigkeiten sonstiger Ministerien. Diese gesellschaftliche Zuweisung macht aus Frauen scheinbar so etwas wie eine soziale Gruppe, während dies auf Männer möglicherweise weniger angewandt wird.





